Soll ich oder soll ich nicht?

Viele meiner zahlreichen Leser fragen mich immer wieder: Soll ich nicht lieber ins Casino gehen, als jede Woche brav Lotto zu spielen? Bei aller Systematik, den ganzen Quoten und Zahlen, die es zum erfolgreichen Tippen benötigt, wäre doch eine gepflegte Runde Black Jack viel eher das Mittel der Wahl, um sich schon zu Lebzeiten einen Platz an der Sonne zu sichern. Als alt gedienter Zocker und Lottoexperte kann ich über soviel kindliche Naivität nur müde lächeln. Auf der anderen Seite stimmt es mich natürlich nachdenklich, dass trotz meiner gebetsmühlenartigen Warnungen immer noch so viele Menschen der schrillen Werbung der Casinos auf den Leim gehen. Sollten denn nicht mittlerweile alle Menschen ganz genau wissen, dass im Casino immer nur Einer gewinnen kann? Für alle unter Ihnen, die vielleicht in Ihrer Kindheit einen Schlag zuviel auf den Kopf bekommen haben, hier noch einmal in aller Deutlichkeit: Nicht Sie sind es, der dieser einzige Gewinner im Casino sein wird, sondern das Casino selbst. Für jedes Casino gilt, ob nun für Ihr Lieblings Online-Casino oder für die Spielbank um die Ecke, je länger Sie spielen, desto höher sind die Chancen, dass Sie verlieren; Ende der Durchsage.

Die Deutschen Klassenlotterien hingegen machen statistisch gesehen alle zwei Wochen einen frisch gebackenen Multi-Millionär. Ich denke, das kann keine Spielbank von sich behaupten.

Es ist richtig, dass Sie rein rechnerisch gesehen beim Lotto nur um 50 Prozent Ihres eingesetzten Betrages spielen. Nebenbei bemerkt, handelt es sich hierbei um einen der Hauptvorwürfe, der gegen den Deutschen Lotteriebetrieb erhoben wird. Allerdings werden rund 23 Prozent der Lottoeinnahmen für gemeinnützige Zwecke wie zum Beispiel für den Bau von Einrichtungen für Kinder- und Jugendliche verwendet. Seien Sie ehrlich und beantworten Sie mir folgende Frage, auch gerne per Mail: Welches Casino, ob nun Online-Zockbude XY oder die Spielbank-sonstwo hat jemals eine Einrichtung für Kinder und Jugendliche gebaut. Mit diesem kognitiven Betthupferl möchte ich Sie nun alleine lassen. Ich muss noch los zum Kiosk um die Ecke. Nach dem Verfassen meiner Kolumne habe ich für heute die Nase voll von Web 2.0. und dem ganzen Kram. Ich werde heute ganz analog meinen Lottoschein im Kiosk von Frau Krause abgeben und mir bei Gelegenheit noch eine neue Dose Pfeifentabak gönnen. Für mich ist das kein Widerspruch, denn auch ein Digitalnativ wie ich, braucht hin und wieder Mal ein wenig frische Luft.